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Claude Wall / DE


…Nur der Künstler kann sich die Freiheit nehmen, mit den Objekten der Vergangenheit so zu verfahren, als wären sie seine eigenen; er kann das Bild eines anderen in seinem eigenen Stil neu malen wie Picasso), er kann es übermalen (wie Rauschenberg) oder als Tischplatte benutzen (wie Kippenberger). Er kann zahlreiche Variationen von Respekt oder Disrespekt vorführen, um seine Zugehörigkeit zur Kunstgeschichte zu beweisen. Er stellt die entscheidende Frage: was macht den „Alten Meister“ gegenwärtig? Welches Detail löst diese Solidarität zwischen Bild und Betrachter aus, in der beide aufatmend feststellen: wir gehören zueinander? Der starke verunsichernde Blick des Porträtierten? Das Ornament einer Vogelgruppe am Himmel? Der bewegliche Duft einer Tulpe? Die Drohgebärde eines Gewitters? Es ist häufig nicht mehr als ein Element, das einen historischen Gegenstand gegenwärtig macht, der Rest ist in seine Geschichte gehüllt. Claude Wall zerschneidet seine alten Meister nicht, obwohl er sie ausschließlich erwirbt, um sie gegenwärtig zu machen, statt dessen bindet er sie in „Meta-Bilder“ ein, in Kompositbilder, die er als Holzplatten oder bespannte Keilrahmen herstellt. Ihrer Patina , ihrem Galerieton setzt er helle, milchige, gering reliefierte farbige Oberflächen entgegen, die er dadurch gewinnt, dass er seine Pigmente in Leim, in Ponal bindet und den zahlreichen Lasuren weißes Pigment hinzufügt. Der „Alte Meister“ erhält so weniger einen Kontrapunkt als Resonanzflächen, in denen sich jenes Element, das ihn gegenwärtig macht, vibrierend, wirbelnd ausbreitet…

Dr. Wolfgang Becker