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Peter Hermann / DE


Peter Hermanns bildnerisches Anliegen ist die menschliche Figur – und hier ließe er sich mühelos einbinden in eine lange abendländische Traditionslinie; diese wurzelt in dem Urbedürfnis vor- und frühgeschichtlicher Kulturen nach dem Abbild des eigenen Selbst und seines Gegenübers. Sie lässt sich fortführen in den klassischen Epochen und ihren Idealvorstellungen des menschlichen Abbildes durch Jahrtausende an Krisen, Revolutionen, Moden und Entwicklungen, die die Gattung der Skulptur bis in unsere Tage durchlaufen hat.
Man könnte Verbindungen herstellen zu den Bildschnitzern sakraler Kultbilder, könnte sich an ikonographischen Leitmotiven durch die Epochen entlang hangeln
Aber reicht der abendländische Focus aus, um Peter Hermanns Vorstellung von Figur nachzuspüren?
Verfängt man sich hier nicht allzu leicht in der Beschränktheit dieses Blicks, der doch allumspannend zu sein scheint.

Im Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Positionen figuraler Holzskulptur arbeitet er seine menschlichen Figuren sehr differenziert heraus, widmet sich Händen und Füßen, glättet vor allem die Oberflächen in einer altmeisterlichen Manier – mehr Riemenschneider als Balkenhol, sozusagen.
Die von ihm gewählten weichen Holzarten, vor allem der klassische Werkstoff Lindenholz ermöglichen ihm dieses präzise Herausarbeiten von Gesichtern, Händen, Attributen und Oberflächen. Den individuellen Gestus im Sinne einer künstlerischen Handschrift ordnet er dem selbstauferlegten Postulat einer hautähnlich glatten Oberfläche unter.
Der klassische Kanon figürlicher Bildhauerei mit seinem Ringen um Körpergefüge, Tektonik und Mimesis ist Peter Hermanns Sache nicht. Selbst seine Sportler, wie die ‚Basketballspieler’ oder die hintergründigen beiden ‚Boxer’, denen eine dynamische Bewegung ja immanent sein könnte, sind streng statuarisch angelegt. Ein gewollter Widerpart der klassischen Idee solcher Sujets, ein Bewegungsmoment sichtbar zu machen.
Die Darstellung der beiden Boxer (großartig in ihrer lakonischen Haltung!) zeigt, dass eine heftige Bewegung zumindest unmittelbar vorausgegangen sein muss: einmal in dem phantastischen Veilchen des Getroffenen, einmal in der sacht angedeuteten Körperdrehung des erfolgreichen Kontrahenten.
Die Glieder sind bei nahezu allen Figuren Peter Hermanns leicht verkürzt, die Gesetze des Körpergefüges mit seinen Längen- und Masseverhältnissen oft bis ins Karrikierende hinein konterkariert.
Und in der Tat: betrachtet man das Oeuvre in seiner Gesamtheit, ist Ironie als stilbildendes Element sicher nicht der schwächste Antriebsmotor für Peter Herrmann!

Stefanje Weinmayr