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Rolf Behm / DE



von Brigitta Werner,
„Ausstellung in der Raumfabrik Durlach ,2005“
art print publishers, Essen, 2000

Mir aber erscheinen die Wissenschaften eitel und fehlerhaft, die nicht aus der Erfahrung, der Mutter aller Sicherheit, hervorgegangen sind und nicht in einer handgreiflichen Erfahrung enden; das heisst, deren Anfang und deren Ende nicht über einen der fünf Sinne geht.
Leonardo da Vinci (1452-1519), Malerei und Wissenschaft

Die Malerei von Rolf Behm ist eine zutiefst sinnliche Angelegenheit. Zuallererst fällt die grosse Farbräumlichkeit ins Auge. Zu sehen sind Flächen, Körper im Raum; aber was ist es, das dort dargestellt ist?
Das ist nicht leicht zu beantworten.

Grundsätzlich gilt: Raum ist Fläche, und Fläche ist Raum, schliesslich geht es um Malerei, die sich mit den zwei Dimensionen der Leinwand abfinden muss. Malerei, also das Ausbreiten von Farbe auf einer Fläche, die nichts Konkretes abbildet hat es schwer und leicht zugleich. Schwer, weil sie wegen des Fehlens figuraler oder abstrakter Gegenständlichkeit nicht verweisfähig ist; leicht, weil sie sich als Farbfläche zu immaterialisieren beginnt.

Die Komponenten Raum und Fläche sind für den Betrachter am deutlichsten zu trennen, wenn es eine dominierende Farbe gibt, in deren illusionstiefer Umgebung die anderen Elemente schweben.
In füheren Arbeiten von Rolf Behm waren die Darstellungen gegenständlicher, körperhafter (Landschaften, Vögel - skulpturale Figurationen), geblieben ist eine Malweise, die den Zwischenzustand von lebendiger und eingefrorener Expression formuliert.

Fläche im Raum? Farbfelder im Raum - das wurde bei den Gemälden von Rolf Behm auch früher schon konstatiert. Eine deutliche Vorliebe auch für Rohes, Schroffes fällt auf. Farbfelder werden nicht gesetzt, sondern aufgebaut, wieder entfernt, weggewischt, weggefegt, erneut gebaut.
Die Schwerkraft, die Expression und das ansatzweise „Skulpturale“ haben sich verwandelt in strukturierte Farbnetze, die zu vibrierenden Flächen werden.

Das Feld, die Flächen werden gewichtet, auch übereinandergelegt, Strukturen wachsen zusammen oder bleiben offen und gewähren einen tiefen Blick in das rohe Trägermaterial. Es entstehen kompakte Farbkörper, deren Aufbau nachvollzogen werden kann. Die Dichte des Farbauftrags bestimmt das Gewicht und damit den Zustand des Schwebens.
Der Eindruck von Räumlichkeit potenziert sich in den offen bleibenden Farbflächen. Assoziationen an Organisch - Anorganisches ergeben sich. Die Farbfelder nehmen Besitz von der ganzen Leinwand, die Oberflächen ändern sich mitunter von matt bis glänzend, jedoch bildet jede eine Aura für sich.

Die Fläche stösst auf die Form des Keilrahmens und bildet eine innere Ordnung. Die jeweilige Hauptfarbe ist niemals für sich allein, aufbrechende Schichten, Umgebungen weisen auf die Anwesenheit anderer.
Es entstehen Farbwirbel von kontrastierenden Tönen und Helligkeitswerten, manche Gemälde zeigen in ihrem Zentrum so etwas wie eine offene Wunde. Der Standort für diese Malerei lässt sich nicht leicht orten.
Sie bewegt sich in deutlich sichtbarem Abstand zur Abstraktion, ist beileibe keine Farbfeldmalerei, aber nahe bei etwas, was man „bipolare Malerei“ nennen könnte: die Pole sind Figuration und Gestik einerseits, Abstraktion und Haptik andererseits.

Die Bildideen speisen sich aus der Beschäftigung mit stark vergrösserten Zellstrukturen (z.B. Krebszellen), Darstellungen neuronaler Netze, deren Erscheinungsform aber nicht eins zu eins umgesetzt werden, sondern in der Rolf Behm schon seit vielen Jahren eigenen Weise als Anregung genommen werden und dadurch eine eigentümliche Schönheit erfahren.

Diese ungegenständlichen Bilder vermögen gegenständliche Assoziationen zu wecken, gelegentlich auch unterstützt durch die verwendeten Titel.
Unabhängig von Wärme und Kälte, die sie ausstrahlen, Nähe und Ferne, die der Betrachter empfinden kann, zeigen diese Gemälde neben ihrer überbordenden Sinnlichkeit auch eine zeitliche Dimension, die sich durch den Prozess des Betrachters, des Aneignens ergibt. Es sind Gemälde, die „man nicht in einem Augenblick verkosten kann.“

Ausstellungen bei Steinberger Galerien

2011


"Saisonauftakt 2011 - Lange Nacht"
02.04.11 - 31.05.11


"Sommerausstellung 2011"
04.06.11 - 14.08.11